Sind Falträder langsamer und schwieriger zu fahren? [ANALYSE]

Eine überfüllte U-Bahn-Station zu Stoßzeiten an einem warmen Sommertag oder ein voller Bahnhofsparkplatz im Winter mit unbefestigten Wegen und vielen Staus auf den Straßen.

Das Pendeln von und zu geschäftigen Städten kann selbst die enthusiastischsten und loyalsten Mitarbeiter zum durchdrehen bringen. Im Durchschnitt hat ein Arbeitnehmer in der EU einen Arbeitsweg von 50 Minuten. Das heißt, wir sind fast eine Stunde länger unterwegs um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Es ist für viele ein notwendiges Übel.

Städte und Gemeinden wurden immer dichter mit jedem Jahrzehnt besiedelt. Die Weltbank verzeichnet seit Beginn des 21. Jahrhunderts einen Anstieg der Stadtbevölkerung um fast zehn Prozentpunkte im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung. Sie lag im Jahr 2020 bei 56,15%.  

Verkehrsverbindungen und -knoten werden entwickelt um dem erhöhten Druck standzuhalten. Entscheidungen brauchen jedoch Zeit und der Ausbau wird durch historische Trassen und Infrastrukturplanungen beeinflusst.

Der Bericht der Weltbank weist darauf hin, dass die Bürger von ländlichen Gebieten in städtische Gebiete ziehen und für viele arbeitende Menschen bedeutet dies einen Teil ihrer täglichen Fahrt zur Arbeit zu streichen. Sie müssen möglicherweise keinen Zug mehr nehmen oder sich in einem Park and Ride anstellen, bevor sie das Bürogebäude oder das Fabriktor sehen.

Mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren ist ein wachsender Trend, der von Planern sehr ernst genommen wird. Die Fahrradnutzung nimmt zu und das nicht nur unter denen, die sich am Wochenende sportlich betätigen möchten. Pendler sind sich der Fitnessvorteile dieser höchst egalitären Beschäftigung bewusst geworden. Straßen werden neu bevölkert und verschiedenfarbige Farblinien markieren jetzt Radwege.

Die jahrhundertealte Methode aus den umgebenden Pendlergürteln in die Städte zu kommen, bleibt vorerst bestehen. Vom Haus zum S-Bahnhof, zum City-Bahnhof, zur Arbeit, zum City-Bahnhof, zum S-Bahnhof und endlich nach Hause. Aber die Bestandteile dieses Zyklus verändern sich, wenn wir zu unterstützenderen Netzwerken und saubereren, weniger gefährlichen Wegen zur und von der Arbeit wechseln.

Eine spezifische und sehr anpassungsfähige Version des Pendelns ist das Faltrad. Erstmals für schnellere Militärmanöver im späten 19. Jahrhundert entwickelt, wird die praktische Verkleinerung einer Maschine zur Optimierung von Platz und Tragbarkeit in einem wunderschön einfachen Paket geliefert. Sie werden mit ihren preisgekrönten Designs zu einem Teil des täglichen Pendelns.

Falträder im Vergleich zu normalen Fahrrädern

FaltradNormales Fahrrad
Schrumpft auf eine kompakte Trage- und Aufbewahrungsform, meist über ein Scharniersystem und klappbare Sattelstütze und LenkervorbauKeine Klappvorrichtung, obwohl Räder mit Schnellspannbolzen die Gesamtgröße etwas reduzieren können
Die gängigsten Versionen haben 41 cm oder 51 cm RaddurchmesserDie beliebtesten Versionen beginnen bei 66 cm oder 70 cm Raddurchmesser
Regelmäßig in Zügen, U-Bahnen und einigen Bussen erlaubtIn Zügen und einigen U-Bahnen erlaubt, aber immer eingeschränkter

Falträder sind praktisch und bequem für Pendler, die auf andere öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Sie lassen sich nach etwas Übung schnell auf- und zusammenklappen. Sie sind für manche skurril, aber durch die steigende Popularität werden sie auch für andere Pendler zu einem regelmäßigen Anblick.

Regelmäßiges Pendeln mit normalen Fahrrädern in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln kann zu einer weniger harmonische Lösung werden. Die Fahrräder können durch ihre Größe Gänge blockieren und haben exponiertere mechanische Teile, die sich an der Kleidung anderer Passagiere und Deiner Kleidung verfangen oder an der sauberen Hose reiben können. Sie sind umständlich zu transportieren und erfordern möglicherweise ständiges Babysitten, um zu vermeiden, dass sie fallen oder sich gegen andere Passagiere drehen.

Wenn Du anschließend am Ende Deines Arbeitstages Überlegungen anstellst ein Faltrad zu kaufen, dass Du bei Bedarf mit ins Stadtgebiet nehmen kannst ist das gut nachvollziehbar. Ein spontanes Abendessen nach der Arbeit das bis in den späten Abend reicht, kann bedeuten, dass Du Dein normales Fahrrad bei der Arbeit lassen musst und es den morgigen Arbeitsweg beeinträchtigt. Das Tragen eines Faltrads jedoch erleichtert die Situation. Es gibt zusätzliche Sicherheit, weil Du weißt, dass es auch leicht unter Deinem Schreibtisch zu verstauen ist.

Einige Falträder werden mit Tragetaschen geliefert um den Transport noch bequemer zu machen. Einige entsprechen sogar den Handgepäcknormen der Fluggesellschaften und viele Modelle verfügen über Befestigungspunkte für Schutzbleche oder Gepäckträger.

Neue Marktteilnehmer auf dem Faltradmarkt wurden durch staatliche Investitionen in die Fahrradinfrastruktur und Arbeitgeber angezogen, die nach Wegen suchen, das Pendeln zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu fördern. Die wachsende Popularität von Elektrofahrrädern geht Hand in Hand mit den Falträdern.

Sind Falträder sicher?

Obwohl Falträder im Verhältnis zu normalen Fahrrädern kleiner sind, sind Falträder nicht schwerer zu fahren. Der Fahrer ist für andere Verkehrsteilnehmer ebenso sichtbar. Einiges Lernen ist erforderlich, da das Fahrerlebnis etwas „ausgelassener“ sein kann. Dein Fahrradrahmen wird nach ähnlichen Sicherheitsstandards wie bei normalen Fahrrädern hergestellt.

Die Rahmengeometrie eines Faltrads unterscheidet sich von einem normalen Fahrrad, um die Verkleinerung um den Faltmechanismus zu unterstützen. Das Design erfordert einige Änderungen an der Fahrposition Deines Körpers. Du wirst Schwierigkeiten haben, eine aerodynamische Duck-Position einzunehmen, aber ein Faltrad zu kaufen um rennen zu gewinnen sollte nicht Deine Kaufmotivation sein.

Die Komponenten eines Faltrads sollten weder reguläre Radfahrer noch Neueinsteiger abschrecken. Einige Hersteller wählen proprietäre Teile, aber Du solltest dennoch die Kurbeln, Kettensätze, Schaltwerke und Bremssysteme erkennen können. Aus Platzgründen sind viele Falträder mit einer Nabenschaltung ausgestattet. Diese sind ziemlich kugelsicher und sollten Dich nicht im Stich lassen. Die Position des Sattels und des Lenkers sind in der Regel ähnlich wie bei normalen Fahrrädern. Die Radstände einiger Falträder sind die gleichen wie bei normalen Fahrrädern. Eine Probefahrt wird dennoch empfohlen. Die meisten Falträder haben eine Gewichtsbeschränkung für den Fahrer.

Sind Falträder langsamer?

Das Design von Falträdern und die Fahrhaltung stehen im Widerspruch zum Erreichen und Halten der Geschwindigkeit eines normalen Fahrrads. Da die Herstellung von Falträdern aus einer Nischenbranche zum Mainstream heranwächst, wird die Forschung weiterhin die Materialien und Designoptimierungen bereitstellen, um schneller voranzukommen.

Der Schritt in den Mainstream bedeutet Diversifikation vom Basismodell. Ohne den Pioniergeist der 70er Jahre der Mountainbike oder BMX Einzelgänger zu kanalisieren. Der Fortschritt kommt in Form von Elektrobatterien oder leichten Materialien wie legiertem Stahl. Klappräder sind immer noch schwer. Du wirst dies nicht besonders spüren, wenn Du damit fährst, aber am Bahnhof oder im Büro es ein paar Treppen hoch zu tragen, kann zu einer Belastung werden.

Wie bei den meisten normalen Fahrradmodellen kannst Du mehr Geld ausgeben, um schnellere und leichtere Modelle zu bekommen.

Sind Falträder schwieriger zu fahren?

Es dauert eine Weile, bis man sich an ein Faltrad gewöhnt hat, da man seine Körperhaltung und seinen Fahrstil an die Unterschiede anpassen muss. Die Fahrer betonen, dass das Lenker im Vergleich zu einem normalen Fahrrad weiter von den Rädern entfernt ist und sich das Rad daher unruhiger fährt. Kleine Räder sind auch nicht optimal für Stöße ausgelegt.

Viele der Herausforderungen denen Du gegenüberstehen wirst, sind relativ einfach zu meistern. Möglicherweise kannst Du Deine Wegstrecke anpassen, um auf den Radwegen zu bleiben. Die Manövrierfähigkeit wird ein wenig durch Gewicht und Laufradgröße beeinflusst und Du wirst auf jeden Fall die Vibrationen der Straße bemerken.

Die Nutzung von Falträdern wird attraktiver, da Städte in ausgewiesene Radwege investieren und neue Ansätze für die gemeinsame Nutzung von Straßenkreuzungen mit dem Schwerpunkt auf sicheres Radfahren verfolgen und mehr Wert auf gute Straßenoberflächen gelegt wird. Wenn Du zur Arbeit pendeln und nicht um die Weltmeisterschaft oder eine Strava-Auszeichnung wie verrückt in die Pedalen treten willst, wirst Du keine Probleme mit einem Faltrad haben.

Falträder sind für hohe Geschwindigkeiten und lange Fahrten allerdings nicht so gut geeignet wie normale Rennräder oder Hybridräder. Dies ist ein Vorwurf, der auch bei Singlespeed- (besitzen nur einen Gang) oder Fixed-Gear-Bikes (ohne Gangschaltung mit einer starren Nabe) nivelliert werden kann. Dabei geht es nicht um Komfort, sondern eher um Schalteffizienz und Fahrstabilität bei höheren Geschwindigkeiten.

Falträder sind in hügeligen Gebieten nicht so gut aufgestellt wie normale Fahrräder, egal ob bergauf oder bergab. Viele Radfahrer stehen beim Bergauffahren auf und bleiben nicht im Sattel sitzen. Dadurch werden verschiedene Muskelgruppen benutzt und Du kannst den Druck auf den unteren Rücken verringern. Die kleineren Räder des Faltrads erschweren das Aufstehen und beeinflussen die Stabilität beim Stehen. Sie rollen auch nicht so gut beim Bergabfahren wie größere Räder.

Die Wartung ist bei Falträdern genauso wichtig wie bei normalen Fahrrädern. Für bestimmte Ersatzteile solltest Du bereit sein einen kleinen Aufpreis zu zahlen. Die meisten der üblichen Heimwerkerarbeiten wie das Reparieren von Reifenpannen und das Ersetzen von Bremsbelägen sind aber die gleichen.

Wie ist es ein Faltrad zu fahren?

Einst als etwas nerdig und billig angesehen (mit Ausnahme des trendeigen Bromptons), ist die Nachfrage nach alternativen Verkehrsmitteln für den Pendelverkehr in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegen. Heute bündeln sich die Überlegungen zu effizienteren Falt- und Tragemöglichkeiten eines Fahrrads mit einem verbesserten Fahrerlebnis für die Städter.

Die Hersteller denken mehr über die gemischte Art des Pendelns und den Lebensstil des Fahrers nach – zum Bahnhof fahren, das Faltrad im Zug mitnehmen und dann vom Bahnhof zur Arbeit fahren. Ein Faltrad passt buchstäblich und im übertragenen Sinne in die urbane Welt des Fahrers.

Es gibt eine Reihe von Lenker-Designs, die jede Art von Position fördern, die zu Dir passt. Du kannst einen heruntergelassenen Lenker kaufen, Hybrid-Lenker und Butterfly-Lenker bieten Dir mehr als eine Handvoll Positionen. Dies ist wichtig, da die Stabilität bei Geschwindigkeit durch die kleinere Laufradgröße beeinträchtigt wird.

Stelle abschließend sicher, dass Du die wesentlichen Dinge überprüfst und pflegst. Sind die Reifen richtig aufgepumpt? Reiben die Bremsbeläge (kontrolliere dies gerade beim mehrmaligen Zusammenklappen des Faltrads)? Wie laufen die Räder beim Ausrollen? Funktionieren die Faltmechanismen präzise?

Falträder sind eine nützliche und effiziente Methode zum Pendeln in modernen Städten. Sie sind praktisch für kürzere Reisen, anpassungsfähig für das Tragen von Gepäck und tragbar, um sich in einen urbanen Lebensstil einzufügen.

Pete Reynolds

Pete ist Gründer und Herausgeber von Discerning Cyclist und den Stadradfahrer. Er pendelt täglich mit dem Fahrrad von seinem Zuhause in seinen Co-Working-Space. Pete stammt ursprünglich aus Großbritannien und hat einen Großteil seines Erwachsenenlebens in Deutschland und Spanien verbracht. Wenn er eine neue Stadt besucht, liebt Pete nichts mehr, als sie auf zwei Rädern zu erkunden. Siehe Petes Muck Rack-Profil

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